Die Ausbildung, berufsbegleitend in eineinhalb Jahren.
Die Sachverständigenausbildung umfasst acht Module und 185 Lehreinheiten an sieben Wochenenden. Dazwischen lernen Sie von zu Hause aus, der Betrieb läuft weiter.

Module
Was Sie können, steht nicht im Lehrplan. Was Ihnen vor Gericht fehlt, schon.
Kein Modul erklärt Ihnen Ihr Handwerk. Die acht Module behandeln das, was zwischen Ihrem Befund und einer belastbaren Schlussfolgerung liegt: Struktur, Verfahren, Gebühren, Haftung und die Frage, wie das Ergebnis bei Gericht ankommt.
Modul 1 nennt das Zertifikat ausdrücklich das Kernmodul. Es ist deshalb das einzige, das hier ganze Breite bekommt.
- Modul 1
Gutachtenerstellung, Ethik und Sachverständigenpraxis
Das Kernmodul zur Erstellung, Verteidigung und praktischen Anwendung gerichtstauglicher Gutachten.
VerantwortlichMst. Ing. Mario J. TomasekSachverständiger für Pflasterbau
Ethik, Auftrag und Gutachtensstruktur
- Ethik des Sachverständigen, Zuständigkeit, Schlüssigkeit und klare Fragestellung.
- Aufbau eines Gutachtens: Auftrag, Grundlagen, Befund, Schlussfolgerung und Fragebeantwortung.
- Wording im Gutachten: fachlich korrekt, verständlich und neutral.
Prüfungen, Kosten und externe Leistungen
- Sinnhaftigkeit von Baustoffprüfungen, Abgrenzung von Subgutachten und Direktbeauftragung.
- Kostenwarnung, Gebührenvorschuss und Bekanntgabe externer Kosten.
- Prüf- und Warnpflicht externer Dienstleister.
Erörterung, Gebühren und Verfahrensdruck
- Gutachtenserörterungsantrag, Vorbereitung auf die Tagsatzung und Umgang mit kritischen Fragen.
- Gebührennote, Gebühreneinspruch und Revision.
- Pflasterforensik, Übungsakte und strukturierte Schadensanalyse.
Kommunikation in kritischen Situationen
- Kommunikation als taktisches Element im Verfahren.
- Kommunikative Selbstverteidigung und Gefühlsmanagement.
- Modul 2
Kommunikation, Wahrnehmung und digitale Arbeitskompetenz
Psychologisch fundierte Kommunikation, Eigenwirkung sowie digitale Arbeitsfähigkeit und künstliche Intelligenz für Sachverständige.
Wahrnehmung, Sprache und Wirkung
- Bedürfnisorientierte Kommunikation und Wahrnehmungskanäle.
- Face Communication, Meta-Programme und individuelle Wirklichkeitsmodelle.
- Eigen- und Fremdwahrnehmung, Gestik, Mimik und präzise Bedeutungsvermittlung.
Professionelle Kommunikationskompetenz
- Von unbewusster Inkompetenz zu bewusster Kompetenz.
- Kernintention, Werte und Ziele als Grundlage klarer Gesprächsführung.
EDV und künstliche Intelligenz
- EDV-Ausstattung des Sachverständigen für effiziente Arbeitsprozesse.
- Rechtskonformer Einsatz künstlicher Intelligenz im gutachterlichen Kontext.
- Chancen, Grenzen und Sorgfaltspflichten digitaler Werkzeuge.
VerantwortlichStefan Grabler, MScKommunikationstrainer
- Modul 3
Rolle, Verantwortung und Qualität im Bauprozess
Gerichtliche Anforderungen an Gutachter und die Zusammenarbeit im Bauprozess.
Gutachterliche Praxis vor Gericht
- Rolle, Auftreten und Verantwortung des Sachverständigen in der Verhandlung.
- Grundlagenwissen für eine klare, objektive und verfahrensdienliche Gutachtertätigkeit.
- Zusammenarbeit zwischen Sachverständigen, Richtern und Rechtsanwälten ohne unnötige Reibungsverluste.
VerantwortlichMag. Alfred TanczosRichter am Oberlandesgericht Graz
- Modul 4
Baustoffprüfung, Produktbewertung und externe Prüfinstanzen
Technische Bewertung von Baustoffen und Bauprodukten mit externer Prüfkompetenz.
Prüfanstalt, Baustoffprüfung und Produktbewertung
- Prüfanstalten als externe Dienstleister im Gutachtensprozess.
- Bewertung von Baustoffen für gutachterliche Schlussfolgerungen.
- Unterscheidung von Brauchbarkeit, Tauglichkeit und praktischer Eignung.
- Einordnung von Prüflaboren, Prüfmethoden und Laborbefunden.
VerantwortlichIng. Karl Heinz MaderPrüfstellenleiter BPS Linz
- Modul 5
Zivilprozessuale Grundlagen und Rollenverständnis im Verfahren
Die Funktion des Sachverständigen im Zivilprozess und im Zusammenspiel der Verfahrensbeteiligten.
Rollenverständnis im Zivilverfahren
- Aufgabe und Stellung des Gutachters im gerichtlichen Verfahren.
- Abgrenzung zu Parteien, Parteienvertretern und Zeugen.
- Professionelles Verhalten gegenüber Gericht und Verfahrensbeteiligten.
VerantwortlichMag. Dalia TanczosVorsteherin des Bezirksgerichts Weiz
- Modul 6
Grenzen, Belastung und Selbstverständnis des Sachverständigen
Der Sachverständige zwischen fachlicher Autorität, Erwartungsdruck und persönlichen Grenzen.
Sachverständige im Spannungsfeld des Verfahrens
- Wahrnehmung des Sachverständigen als unterstützende oder belastende Figur im Verfahren.
- Umgang mit Kritik, Rollenerwartungen und eskalierenden Situationen.
- Erkennen eigener Grenzen und Umgang mit Überforderung.
VerantwortlichDr. Michael LanghoferRechtsanwalt für Baurecht
- Modul 7
Vorprozessuale Sachverständigentätigkeit
Die Perspektive der anwaltlichen Parteienvertretung auf vorprozessuale und gerichtliche Gutachtertätigkeit.
Sachverständige vor und im Verfahren
- Der Sachverständige als vorprozessualer Dienstleister.
- Bedeutung des Sachverständigen für Prozessstrategie, Vergleich und Anspruchsprüfung.
- Der Sachverständige im Spannungsfeld der Parteienvorbringen.
VerantwortlichMag. Bernhard ScharmüllerRechtsanwalt
- Modul 8
Versicherungsschutz für Sachverständige
Versicherungsrechtliche Absicherung und Risikomanagement für Sachverständige und Gutachter.
VerantwortlichMag. Nicole PohnJuristin und Versicherungsexpertin
Rechtsschutz und Haftpflicht
- Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung als zentrale Absicherung der Gutachtertätigkeit.
- Schwert und Schild: die unterschiedlichen Funktionen von Rechtsschutz und Haftpflicht.
- Deckung, Verteidigung und Schadenabwehr in der beruflichen Praxis.
Der Betrieb läuft weiter: sieben Wochenenden in eineinhalb Jahren.
Ein Treffen pro Quartal, also rund drei Monate Abstand zwischen zwei Wochenenden. Wer im Frühjahr beginnt, schließt im Herbst des Folgejahres ab. Präsenz und Online sind kombiniert, und der größere Teil der Ausbildung findet nicht im Seminarhotel statt.
Ablauf
Vor Ort
- Rhythmus
- Ein Treffen pro Quartal, sieben insgesamt.
- Dauer
- Freitag bis Sonntag.
- Ort
- Seminarhotel, wechselnde Bundesländer.
- Umfang
- 35 der 185 Lehreinheiten.
Zwischen den Wochenenden
150 der 185 Lehreinheiten laufen als Home- und E-Learning. Das ist nicht das Beiwerk, sondern der größere Teil: vier von fünf Einheiten machen Sie dort, wo Sie ohnehin sind. Bleiben 35 Einheiten für die sieben Wochenenden.
Wer diesen Teil liegen lässt, kommt am Wochenende nicht mit. Das ist der ehrlichste Satz, den wir zum Zeitaufwand sagen können.
Wann sich die Teilnahme lohnt, und wann wir abraten.
Ein Durchgang dauert eineinhalb Jahre. In dieser Zeit sitzen Sie an sieben Wochenenden nicht im Betrieb und nicht zu Hause. Deshalb steht hier beides: wofür sich das rechnet und wann Sie Ihr Geld besser behalten.
Passung
Die Teilnahme lohnt sich, wenn
- Sie die Praxisjahre nach § 2 SDG beisammen haben oder absehbar erreichen: zehn Jahre in verantwortlicher Stellung, fünf mit einem einschlägigen Hochschulstudium oder einer berufsbildenden höheren Schule. Eine HTL zählt hier mit.
- Sie ein zweites Standbein wollen, das nicht an der Baukonjunktur hängt.
- Sie sieben Wochenenden über eineinhalb Jahre freihalten können und dazwischen regelmäßig lernen.
- Sie damit rechnen, dass am Ende jemand anderer über Ihre Sachkunde entscheidet, und sich darauf vorbereiten wollen.
Wir raten ab, wenn
- Sie Ziviltechniker sind. Nach § 4a Abs. 2 SDG sind Sie von der Sachkundeprüfung befreit und gehen über Ihre Kammer. Das Programm löst ein Problem, das Sie nicht haben.
- Sie erwarten, dass die Teilnahme die Eintragung bringt. Sie bringt sie nicht.
- Ihnen die Praxisjahre noch um Jahre fehlen. Dann ist die Ausbildung nicht falsch, nur zu früh. Melden Sie sich, wenn die Frist näher rückt.
- Sie ein Wochenendseminar suchen. Eineinhalb Jahre neben dem Betrieb sind etwas anderes.
- Sie die Qualifikation für den deutschen Markt brauchen. Dann ist ein Anbieter nach ISO/IEC 17024 der richtige Weg, nicht dieser.
Uns ist ein Nein vor dem Start lieber als ein Abbruch im dritten Quartal.
Prüfen lassen, ob es passtKosten
Was im Beitrag steckt, und woran Sie ihn messen können.
Auf dieser Seite steht kein Preis, und dafür gibt es einen Grund, den Sie nachrechnen können: Ein Durchgang läuft über eineinhalb Jahre mit sieben Wochenenden in wechselnden Häusern. Was ein Wochenende kostet, hängt am Haus und am Bundesland. Sie bekommen den Beitrag deshalb schriftlich und vollständig, bevor Sie sich festlegen.
Woran sich der Wert bemisst
Was eine Stunde als Sachverständiger wert ist, verhandelt bei Gericht niemand. Es steht im Gesetz.
§ 34 GebAG kennt drei Gebührenklassen und staffelt sie nach Qualifikation: 29 bis 87, 72,50 bis 145 und 116 bis 217,50 Euro je Stunde.
Quelle: § 34 GebAG in der Fassung BGBl. II Nr. 430/2023, gültig seit 1. Jänner 2024
Die Ausbildung hebt Sie in keine dieser Klassen. Sie bereitet auf die Prüfung vor, die darüber mitentscheidet.
Im Beitrag enthalten
- 185 Lehreinheiten in acht Modulen, davon 150 als Home- und E-Learning.
- Sieben Wochenenden von Freitag bis Sonntag im Seminarhotel.
- Acht Referenten, jeder für sein Modul verantwortlich.
- Das Zertifikat, ausgegeben und erstellt von genau diesen acht.
Nicht im Beitrag enthalten
- Die Gebühren des Eintragungsverfahrens. Die fallen beim Gericht an, nicht bei uns.
- Ihre Anreise zu den sieben Wochenenden.
- Die Haftpflichtversicherung, die § 2 SDG für die Eintragung verlangt. Modul 8 sagt Ihnen, worauf Sie beim Abschluss achten.
Der nächste Durchgang beginnt mit einem Gespräch.
Eine Anfrage ist keine Anmeldung und kostet nichts. Wir klären zuerst, ob die Praxisjahre passen und ob sich der Zeitplan mit Ihrem Betrieb verträgt. Erst danach reden wir über Termine und Beitrag.
Was Sie gleich mitschicken können
Beruf und Gewerbe, Jahre in verantwortlicher Stellung, Bundesland. Mehr brauchen wir für die erste Einschätzung nicht.

